Trajekt in die Sonne

Zwischen den Jahren führte mich das Fernweh nach Sizilien. So richtig große Lust wollte ihm Rahmen eines bis unter die Decke voll gepackten Dienstplans anfangs nicht aufkommen, doch waren die Alpen erstmal überquert, der Himmel blau und die Sorgen im Flachland zurückgelassen, kam die Freude von ganz alleine. Der Appetit kommt ja beim Essen.

Von Milano Centrale aus ging es los mit dem InterCityNotte 1963 nach Catania und Palermo.

Bereitstellung des ICN 1963 im Bahnhof Milano Centrale.

Das Schlafabteil für die Nacht.

Durch die Nacht schaukeln wir einmal von Nord nach Süd durch Italien. Die Abfahrt des Zuges ist 20:10 Uhr in Mailand und die Ankunft fast 21 Stunden später in Palermo Centrale. Neapel liegt bereits hinter uns und nach dem Nachtsprung begrüßt uns die herrlich grüne Landschaft Süditaliens.

Links die Berge …

… rechts das Meer.

Im Hafenbahnhof von Villa San Giovanni im äußersten Süden von Italien angekommen, beginnt das Schauspiel der Trajektierung unseres Zuges. Die Vorbereitungen werden getroffen, unseren Nachtzug auf das Fährschiff zu laden. Dazu werden vom in mehr als ausreichender Anzahl anwesenden Personal die ersten Vorbereitungen getroffen: Luftleitungen getrennt, Übergangsbleche geklappt und die Zugsammelschine getrennt. An der Spitze setzt die Rangierlok mit einigen “Pufferwagen” an unseren Zug.

Die Rangierlok hat zwei Flachwagen und einen Personenwagen angehängt, sie dienen als “Pufferwagen” beim Beladen der Fähre.

Die E-Lok am Schluss des Zuges bleibt bis Messina abgebügelt.

Unser Schlafwagen.

Rangierarbeiten im Bauch der Fähre.

Unser Zugteil ist bereits auf Fähre angekommen und gegen Wegrollen gesichert. Der Zug ist natürlich zu lang für die Fähre, darum wird er hier getrennt, der zweite Zugteil wieder ein Stück aus dem Schiff herausgezogen, die Weiche umgelegt und dann auf das Zielgleis geschoben.

Das Spektakel der Verladung lassen sich nur wenige entgehen.

Die Weiche ist zweigeteilt – ein Teil auf dem Festland, ein Teil auf dem Schiff.

Beide Zugteile sind im Bauch der Fähre angekommen.

Kleine Holzkisten überbrücken den Höhenunterschied.

Nachdem unser Zug verladen wurde, geht es auch schon los und die Überfahrt beginnt! Bei herrlichstem Wetter genießen hier die Passagiere die Sonne. Der gemeine Mitteleuropäer im Pullover, der Süditaliener in dicker Jacke und Schal.

Der Blick vom Passagierdeck.

Der italienische Liegewagen 2. Klasse “Bc” auf dem Schiff.

Die Reisenden genießen die Aussicht!

Klare Luft, weite Sicht!

Und schon sind wir auf der anderen Seite – Messina liegt im schönsten Sonnenlicht.

Die Entladung startet direkt.

In Messina bekommen wir eine neue Lok an der Spitze.

Nach dem Trajekt fahren wir mit etwas Verspätung ab und kommen überpünktlich in Palermo an. Am Bahnsteig gab es noch lustige Szenen zu beobachten: Lokführer, Zugführer und ein paar andere umstehende Eisenbahner diskutierten wild und telefonierten – vermutlich mit der Leitstelle. Worüber weiß ich nicht, aber nachdem die Lok einige Zeit ein paar Meter vom Zug entfernt stillstand, gab es wohl doch die Order, anzukuppeln und so fuhren wir ohne weitere Vorkommnisse weiter bis zur Endstation.

Ankunft in Palermo.

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Noch mehr Sonne am Nullmeridian