Zeitreise nach Istrien
Nachdem ich letztes Jahr von Budapest aus den D 1204 “Adria” in Richtung Split genommen habe, sollte es auch in diesem Jahr ganz spontan von Budapest aus in Richtung Ex-Jugoslawien gehen. Allerdings dieses Mal nicht nach Kroatien, sondern nach Slowenien; genauer gesagt nach Koper. Die Stadt liegt an der Adriaküste und ist Heimat des größten – und einzigen – Seehafens Sloweniens. In Sichtweite nördlich von Koper liegt Italien mit der Hafenstadt Triest und wenige Kilometer südlich ist man bereits in Kroatien. Sloweniens Küste ist gerade mal 46 Kilometer lang und Koper somit eine für das Land wirtschaftlich und strategisch wichtige Stadt.
Die Reise mit dem Retro-Istria beginnt um 21:30 Uhr im imposanten Bahnhof Budapest-Keleti. Etwas mehr als eine halbe Stunde vor Abfahrt steht der Zug bereit, so wie sich das für einen ordentlichen Nachtzug gehört. Man kann also ganz gemütlich einsteigen und sich im Abteil einrichten.
Unser Nachtzug "nach Koper und Rijeka – gezogen von einer V43 der MÁV.
Wartereihe am Schlafwagen: Osteuropa-typisch werden die Fahrgäste vom Schlafwagenschaffner in Empfang genommen, die Tickets kontrolliert und die Plätze zugewiesen.
Seit 100 Jahren unverändert: Papierübergabe zwischen Zub und Tf.
In der rollenden Jugendherberge durch Osteuropa
Es ist warm im Wagen, natürlich, denn im RETRO-Nachtzug gibt es keine Klimaanlage. Wir teilen uns unser Abteil mit zwei jungen Mädels, die spontan, nur für ein paar Stunden und mit kleinem Rucksack bepackt, nach Rijeka fahren. Wir hoffen insgeheim auf ein Privatabteil, doch am Ende ist es gut so, sich mit Leuten das Abteil zu teilen – wo wäre das Retro-Osteuropa-Feeling sonst hin gewesen?
Mit der Abfahrt lege ich schnell den hochempfindlichen Schwarz-Weiß-Film ein, um ein paar Eindrücke der Fahrt aufnehmen zu können. ;) Der Zug schaukelt langsam aus dem Großraum Budapest heraus, viele der Mitreisenden im voll gebuchten Zug genießen den Fahrtwind und stehen an den geöffneten Fenstern. Manche trinken dabei Bier, andere halten einfach nur die Nase in den Wind; in einem Abteil wird Uno leidenschaftlich gespielt.
Und dann geht es auch schon ins Bett. Ich liege auf meiner erstaunlich weichen Liege, die Fenster sind noch leicht geöffnet und die Vorhänge flattern. Meine Begleitung schläft schon. Auch ich bin wirklich müde und während mir die Augen zufallen und ich irgendwo zwischen Hier und Dort wegdämmere, genieße ich dieses Gefühl von Freiheit – in der rollenden Jugendherberge durch die Nacht osteuropäische Nacht brettern, auf einer Liege mit einer Wolldecke zudecken, in die noch das Logo der tschechoslovakischen Eisenbahn eingestickt ist, den Fahrtwind im Gesicht spüren, die laue Luft des Abends riechen – und bedauere zugleich meine Generation. Denn wohl die allerwenigsten werden jemals in den Genuss dieses Gefühls kommen, dieses Gefühl das kein Flugzeug, kein ICE der Welt jemals hervorrufen kann.
Gegen sechs Uhr in der Früh ist die Nacht leider schon zu Ende, jedenfalls für uns. Denn tatsächlich gab es keinen Platz mehr im Liegewagen nach Koper, in Ljubljana müssen wir also umsteigen aus unserem Liegewagen in den Sitzwagen des anderen Zugteils. Ab der slowenischen Grenze fährt der Retro-Istria nämlich auch unter slowenischer Zugnummer als Mednarodni vlak und ist im Sitzwagen mit regulären Tickets nutzbar.
Einfaches X: Rangierarbeiten in Ljubljana
Der Istria besteht ab Budapest aus zwei Zugteilen zu je drei Wagen; einem Schlafwagen, einem Liegewagen und einem Sitzwagen. In Ljubljana wird der Zug getrennt und die Ankunft des Adriatic Express aus Warschau abgewartet. Dieser Zug wiederum hängt bis Wien an einem EuroCity aus Warschau, fährt dann alleine bis Ljubljana und wird dort auch in zwei Teile geteilt, sodass die Kurswagen zusammen mit unseren Wagen aus Budapest weiterfahren in Richtung Koper beziehungsweise Rijeka.
Zusammengefasst kommen zwei Züge an, werden in jeweils zwei Teile geteilt, von denen jeweils ein Teil an den anderen Zug gehängt wird. Und am Ende der Rangierarbreiten stehen zwei Züge abfahrbereit am Bahnsteig: Ein Zug aus Budapest und Warschau nach Rijeka und einer nach Koper. Auf der Rückfahrt kommt im übrigen noch eine weitere Kursgruppe aus Rijeka ins Spiel, die aber in Ljubljana endet.
Unser Zug darf als zweites abfahren, wir folgen dem Zug nach Rijeka im Blockabstand wenige Minuten später und teilen uns die Strecke mit ihm bis Pivka, dort trennen sich die Wege nach Rijeka und nach Koper.
Morgendliche Rangierarbeiten: Der Zugteil aus Budapest wird an den Zugteil aus Warschau angehängt.
Die Landschaft kurz nach dem Verlassen des Großraums Ljubljana.
Heißwasser vom Gasherd
Es ist ein wunderschöner Sommermorgen und die Luft ist noch angenehm kühl. Eine Zeit lang stehe ich natürlich am geöffneten Fenster unseres Sitzwagens und genieße die frische Luft und die herrliche Aussicht dieses goldenen Morgens.
Natürlich überfällt mich irgendwann ein immenser Kaffeedurst – die Sucht kickt, wie soll es anders sein!? Ich mache mich also auf den Weg aus meinem Sitzwagen rüber in den Liegewagen und klopfe vorsichtig an der halb offen stehenden Tür des Dienstabteils der Liegewagenschaffnerin. Natürlich bin ich als Eisenbahner Kummer gewohnt und habe immer meinen eigenen Notvorrat an Krümelkaffee im Rucksack, und so frage ich die freundliche junge Dame lediglich, ob ich bei ihr Heißwasser erwerben könnte. Erwerben geht nicht, doch sie würde mir kostenfrei etwas zur Verfügung stellen. Na umso besser. Wer noch nicht im Osteuropa-Modus ist, ist es spätestens jetzt, denn unvermittelt holt die junge Dame ein Stabfeuerzeug hervor, dreht die Kartusche des kleinen Gasherds in einer Art Kochnische ihres Dienstabteils auf und entflammt das offene Feuer. In einer uralten, vermutlich aus Zeiten des eisernen Vorhangs stammenden Teekanne, erhitzt sie das Wasser, bis die Kanne pfeift und heißer Dampf ausströmt. Einen eigenen Becher habe ich nicht, antworte ich auf ihre Frage (welch ein Amateur ich doch bin) und so erhalte ich mein Wasser im Pappbecher. Ein kleines Trinkgeld lehnt die junge Frau ab, es sei schließlich selbstverständlich. Alleine für diese Momente lohnen sich solche Reisen.
Ich bin nicht der einzige, der die frische Morgenluft genießt.
Wir haben Glück und das Sechserabteil im Sitzwagen für uns alleine. Glück deswegen, weil ich mich noch einmal langmachen und ein bisschen schlafen kann. Also: Augen zu! Ich bin aus der Nachtschicht direkt nach Budapest angereist, und somit trotz einer guten Nacht im Liegewagen wirklich müde. Ich kann trotz, oder gerade wegen des Gequietsches und Geschaukles aufgrund der teils unglaublich engen Radien in den starken Neigungen gut schlafen. Der spannendste Teil der Strecke nach Koper ist sowieso das Stück zwischen Divača und der Endstation – hier geht es dann über die legendäre Koper-Rampe.
Bei Borovnica überqueren wir die Brücke “Dolinski Most”, die pittoresk im Gleisbogen liegt.
Der Gegenschuss in Richtung Zugschluss.
Eine gute Stunde habe ich geratzt, lang ausgestreckt auf der Sitzbank unseres Abteils, den Kopf auf meine Jacke gebettet. (Die habe ich natürlich nicht vollgesabbert, falls jemand fragt.) So langsam komme ich wieder zu mir, ärgere mich ein wenig, einen so langen Teil der Strecke verschlafen zu haben. Doch es gibt ja noch eine Rückfahrt.
Leider sieht es in Slowenien nicht viel besser aus, als im Rest von Europa. Der Klimawandel ist da, ganz real sichtbar. Die Landschaft, durch die unser Zug uns inzwischen mit recht gemächlichen 60 bis 80 km/h fährt, ist völlig ausgetrocknet. Die Blätter der Bäume sind, wenn die Bäume sich nicht bereits vollständig entlaubt haben, an vielen Stellen braun und trocken und auch vom Gras ist nicht mehr viel übrig. Das mag im Mittelmeerraum noch normal sein, aber die hiesige Vegetation mit zahlreichen Laubbäumen macht auf mich nicht den Eindruck, als wäre es üblich, dass über Wochen dreißig Grad und mehr herrschen, ganz ohne nennenswerte Niederschläge. Man hofft nur, dass hier kein Güterzug mal eine feste Bremse hat und so einen gigantischen Waldbrand auslöst …
Die Landschaft ist völlig ausgetrocknet.
Unsere Eisenbahn erreicht die Koper-Rampe jedenfalls ohne feste Bremse und ohne eine Schneise der Verwüstung hinter sich herzuziehen. Auf der Strecke gibt es Neigungen bis zu 2,6 % und enorm enge Gleisbögen, oft in Kombination. Insgesamt werden 500 Höhenmeter überwunden, was zwei Kehrschleifen nötig macht. Die Fahrt auf dieser imposanten Strecke ist in jedem Fall ein Erlebnis und nicht mehr unendlich lange möglich. Eine Neubaustrecke mit langen Tunnelabschnitten ist bereits im Bau, das erste von zwei Gleisen soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.
Während wir also gemächlich mit kreischenden Klotzbremsen in Richtung Meereshöhe rumpeln, erkennt man am Fuße des Gebirges bereits unser Ziel.
Koper ist bereits durch die Bäume erkennbar.
Schon auf dieser Momentaufnahme erkennt man die enorme Neigung, die hier herrscht.
Unser 4-Wagen-Züglein im Endbahnhof.
Die Ankunft erfolgt mit etwa 20 Minuten Verspätung.
Gegen zehn Uhr erreichen wir das westliche Ende der slowenischen Eisenbahnwelt mit etwa 20 Minuten Verspätung. Mit uns steigen noch eine recht große Menge ungarischer Rucksacktouristen und ein paar einheimische Reisende aus. Der Zugbegleiter entfernt direkt das Schlusssignal und unser Zug wird in die Abstellung gebracht. Für uns geht es jetzt erstmal zur Unterkunft, Gepäck ablegen und dann – man ahnt es schon – frühstücken und – viel wichtiger – Kaffee trinken!
Das Schlusssignal ist entfernt!
Ein Ausflug nach Piran
Ich gebe zu: Aus einem Block Nachtschichten nahtlos zehn Stunden nach Budapest fahren, dort in einen Nachtzug steigen und dann nach etwa vier Stunden Umsteigezeit für gut zwölf Stunden in selbigem reisen, das geht nicht ganz spurlos an einem vorbei. Jedenfalls wird aus einem kurzen Nickerchen am Nachmittag in der Unterkunft ein ausgewachsener Mittagsschlaf von drei oder vier Stunden.
Da Koper an sich vom Hafen sehr industriell geprägt ist, entscheiden wir uns, mit dem Bus einen Ausflug nach Piran zu machen. Darauf möchte ich nicht weiter eingehen; ich zeige nur ein paar Fotos und empfehle die Eisdiele Mersii Gelato, die mir wiederum ans Herz gelegt wurde.
Die Rückfahrt: SEV De Luxe
Am Abreisetag müssen wir irgendwie neun Stunden totschlagen vom Check-Out bis zur Abfahrt. Was macht man da, wenn man von ortskundigen Menschen noch eine Eisdiele empfohlen bekommt? Genau, man sucht diese umgehend nach dem Verlassen der Unterkunft auf. Und was soll ich sagen … es könnte sich wohl zugetragen haben, dass wir im Verlaufe des Tages dreimal zur Eisdiele Sladoledarna gegangen sind. Gut die Hälfte der Sorten ist vegan und nicht nur das Pistazien-Eis ist der absolute Hammer! Die Kugeln sind im übrigen riesig und man kann bei nur einer Kugel zwei Sorten wählen. Geniales Konzept, danke an Konni für den Tipp!
Die Sonne wandert allmählich in Richtung Horizont und langsam wird es Zeit, sich auf die Socken zu machen in Richtung Bahnhof. Aufgrund von Bauarbeiten auf der Strecke, werden leider während der Tage, die wir in der Gegend unterwegs sind, einige Züge zwischen Koper und Divača durch Busse ersetzt. So leider auch unser Zug, der an diesem Tag seine Wendezeit abweichend in Sežana verbringt. Der SEV wird auf der Internetseite der Slovenske železnice mit Fahrplan kommuniziert, soweit nichts Besonderes im Vergleich mit zum Beispiel Deutschland. Doch am Bahnhof wartet die Zugbegleiterin, sammelt alle Reisenden ein und fährt mit den Reisenden zusammen im Bus mit zum Zug. Natürlich steht sie vor und während der Busfahrt auch für Fragen zur Verfügung und kontrolliert am Einlass zum Bus die Tickets, sodass kein verwirrter Bustourist versehentlich zusteigt. Das hingegen wäre in Deutschland völlig undenkbar.
Der Wagenpark steht in Divača bereit. Die Reisenden kommen mit dem Bus.
Check-In der Reisenden des Schlafwagens.
Abfahrauftrag durch die Zugbegleiterin.
Am Bahnhof, ab dem die Reise spurgeführt weitergeht, übernimmt die Zugbegleiterin dann ihre üblichen Aufgaben. Als alle Reisenden ihren Wagen gefunden haben und die Wagenliste abgeglichen ist, schließt sie fast alle Türen und gibt den Abfahrauftrag. Dass die ein oder andere Tür beim Anrollen noch offen steht und erst durch die wagenautarke Türblockierung ab 5 km/h schließt, ist in Slowenien, aber auch in anderen Ländern östlich beziehungsweise südöstlich von Deutschland, üblich. Würde man das im verblödeten Deutschland bei Abfahrt in – sagen wir mal – Duisburg so handhaben, würde das bestimmt ganz anders enden.
Durch enge Bögen und heftige Steigungen geht es in Richtung Ljubljana. Der Abstand zum Nachbargleis ist marginal.
Und so langsam wird es dunkel …
Entspannte Reise im Komfortabteil
Die Fahrt nach Ljubljana verläuft total ruhig und entspannt. Der Zug ist leider schwach ausgelastet und wir haben ein Abteil ganz alleine für uns. Schade um das Osteuropa-Feeling, gut für eine total entspannte Heimreise. Obendrauf haben wir im Abteil-Lotto auch noch das Abteil sechs gewonnen, was in diesem Liegewagentyp bedeutet, dass man im Komfortabteil reist, also mit deutlich mehr Platz!
In Ljubljana haben wir planmäßig mehr als anderthalb Stunden Standzeit, um auf den Zugteil aus Rijeka zu warten und die Züge wieder auseinander- und zusammenzubauen. Genug Zeit, sich in Ruhe mal unseren Zug anzusehen und ein wenig mit dem Zugbegleitpersonal ins Gespräch zu kommen. Und dieser Aufenthalt selbst ist schon ein kleines Erlebnis. Gegen 22 Uhr sollten hier nämlich drei Nachtzüge zusammentreffen; neben unserem Zug und seinem Zugteil aus Rijeka noch der EuroNight aus Zagreb nach Stuttgart und Zürich. Beide Züge verspäten sich um etwa eine halbe Stunde, sodass alle zu dieser Zeit nutzbaren Bahnsteige in Ljubljana voll stehen mit Urlaubsreisenden. Die Stimmung ist gelöst, einige trinken Bier und eine junge Frau spielt Gitarre. Das gibt es nur in Osteuropa!
Auch ich bekomme Durst und statte dem netten Schlafwagenschaffner in seinem Dienstabteil einen kleinen Besuch ab. Wir unterhalten uns kurz über den Nachtverkehr, unsere Lieblingsrouten und warum wir beide gerne auf Nachtzügen arbeiten, aber auch privat gern mit solchen Zügen durch die Gegend fahren. Auch er hat als Nebenjob im Schlafwagen angefangen und so seine Leidenschaft zum Nachtzug entdeckt. Im Gespräch zeigt sich wieder, dass Eisenbahner sich verstehen, auch wenn sie nicht die gleiche Muttersprache sprechen; über die Grenzen der Länder hinaus, mehrere hundert oder tausend Kilometer entfernt von zu Hause. Eisenbahner helfen sich auch am anderen Ende der Welt, wenn es nötig ist, dabei ist die Farbe der Krawatte oder die Sprache völlig egal. Denn wir Eisenbahner teilen die gleiche Leidenschaft, die gleichen Probleme, machen ähnliche Erfahrungen. Das verbindet, glaube ich, europaweit. Und wenn die Welt mehr Eisenbahner hätte, dann wäre sie vermutlich eine bessere.
Doch genug des Pathos, zurück zum Durst und zum Schlafwagen: In einem kleinen, zum Seitengang hin verglasten Schränkchen neben dem Dienstabteil, wird das Getränkeangebot präsentiert. Das wirkt so surreal und aus der Zeit gefallen, doch ich befinde mich nicht in einem Museumszug, sondern in einem in der Sommersaison täglich verkehrenden Regelzug! Ich bestelle eine kalte Coca-Cola, die mir in der Glasflasche serviert wird. Wahnsinn. Es sind die kleinen Dinge, die in solchen Momenten den Unterschied machen. Überall anders hätte es wahrscheinlich eine profane Dose gegeben.
Schlafwagenschaffner im Gespräch mit Fahrgästen.
Auslageschränkchen am Dienstabteil.
Selbes Spiel, wie morgens: Rangierarbeiten für das X von Rijeka und Koper nach Budapest und Warschau.
Und damit möchte ich für diesen Bericht zum Ende kommen. Ich bin selbst wirklich überrascht, wie umfangreich dieser Beitrag nun geworden ist. Geschrieben habe ich ihn mit ganz frischen Erinnerungen am Tag meiner Ankunft zu Hause, zurück in Hamburg, nach einer entspannten Fahrt im 4er-Liegewagenabteil im ausgebuchten Nightjet von Budapest über Wien und Berlin.
Ich kann mich nur wiederholen, dass diese Art des Reisens, also das Reisen im Nachtzug, eine ganz besondere ist. Unterwegs zu sein mit der Eisenbahn öffnet einem die Augen, lässt einen Europa ganz anders kennenlernen und erfahren, als das ein Flugzeug oder ein Flixbus oder ein Auto jemals leisten könnten. Sich ein 6er-Abteil mit wildfremden Menschen zu teilen, ins Gespräch zu kommen. Die Landschaft sehen, am Bahnsteig zwei Stunden auf einen Anschlusszug warten und in der örtlichen Bahnhofsgaststätte mit Hosteltouristen Bier trinken, mit Menschen aus anderen Ländern im Liegewagenabteil Karten spielen; das alles sind Dinge, die im hyperindividuellen Social-Media-Leben, das oft vor allem nur auf Instagram schön aussehen muss, nicht vorgesehen sind.
Mich jedenfalls bereichern solche Abenteuerreisen ungemein. Auch wenn manchen meiner Fotos die Farbe fehlt, so ist die Welt nicht schwarz und weiß. Auf solchen Reisen lerne ich zumindest im Ansatz, wie das Leben in anderen Ländern vielleicht funktioniert, sehe was da läuft und was nicht, sehe auch Deutschland mit ganz anderen Augen. Manche Dinge hierzulande sehe ich im Anschluss positiver, bei anderen Dingen wiederum schlage ich nur noch die Hände über dem Kopf zusammen, wenn man zurückkommt und fragt sich, wo und wann wir hier gehörig falsch abgebogen sind.
Ich empfehle also jedem dringend, einfach mal ein Ticket zu kaufen, in einen Nachtzug einzusteigen und loszufahren. Ganz egal wohin. Einfach mal den hippen Flugzeugsitz oder das kuschelige Komfortbett im Hotel einzutauschen gegen eine einfache Pritsche auf Rädern mit tschechoslowakischer Wolldecke. Sich nach einer Nacht mit Fremden auf vier Quadratmetern beim Frühstück über das Leben unterhalten und seinen Horizont erweitern. Und einfach mal auf die Insta-taugliche Frisur scheißen, den Kopf aus dem Fenster halten und das Leben spüren.
Transparenzhinweis: Für diesen Artikel wurde das KI-Modell von Claude zur Rechtschreibkontrolle verwendet.